Kritische oder wichtige Funktion (DORA): Warum die Business Impact Analyse geeignet ist – wenn man sie richtig liest.
Die Verordnung (EU) 2022/2554 (DORA) etabliert mit der kritischen oder wichtigen Funktion (kwF) einen zentralen Steuerungsbegriff für das IKT-Risikomanagement von Finanzunternehmen. Die zugrunde liegende Definition vereint jedoch unterschiedliche Arten von Leistungsversagen und Risikoursachen in einem einheitlichen Rechtsbegriff, ohne diese systematisch zu klassifizieren oder differenzierte Steuerungslogiken vorzugeben.
In der Praxis wurde kwF häufig mit zeitkritischen Prozessen aus der Business Impact Analyse (BIA) gleichgesetzt. Die Aufsicht weist zu Recht darauf hin, dass dieses Vorgehen nicht ausreichend ist.
Gleichzeitig erwartet DORA aber für nicht zeitkritische Funktionen Maßnahmen, die aus der Logik des Business Continuity Managements (BCM) stammen. Diese Spannung ist kein Umsetzungsfehler der Praxis, sondern strukturell in der kwF-Definition selbst angelegt.
Vor diesem Hintergrund stellt sich nicht die Frage, ob die bisherige Praxis unzureichend ist, sondern wie die kwF-Definition so operationalisiert werden kann, dass sie sowohl dem Wortlaut von DORA als auch den Anforderungen wirksamer Steuerung gerecht wird.

